In den letzten Wochen hatte ich mehrere Bewerbungsgespräche und Probetage. Allerdings ist das in Amerika alles ein bisschen anders als ich es aus Deutschland kenne.
Alle Stellen werden hauptsächlich online ausgeschrieben und auf Jobportalen wie Linkedin und Monster, auf denen man ein Bewerberprofil anlegen muss.
Wenn das Unternehmen die Bewerbung dann interessant findet schreiben sie entweder eine Email oder rufen einen gleich an um ein Telefoninterview zu führen. Da fragen sie dann die typischen Fragen: Warum haben Sie sich auf die Stelle beworben? Was finden Sie an unserem Unternehmen interessant? Was sind ihre Stärken? Was sind ihre Schwächen?
Wenn man sich gut anstellt kommt man eine Runde weiter und wird dann zu einem Bewerbungsgespräch im Unternehmen oder auch im Café (Starbucks) eingeladen. Ich hatte schon beide Varianten.
Meine persönlichen Favoriten:
Ich hatte da einen Probetag bei einer Firma, die hier gleich um die Ecke ist und auch mit einem Marketinjob geworben hat. Ich hatte Telefongespräch und erstes Vorstellungsgespräch gemeistert und war an dem Tag zum zweiten Gespräch da. Als ich ankam war ich schon verwundert weil noch zehn andere Bewerber im Foyer saßen. Als wir dann alle der Reihe nach aufgerufen wurden und die Bewerber dann mit Begleitperson zwei Minuten später das Büro wieder verließen wunderte ich mich schon ein bisschen. Als ich dann an der Reihe war wurde ich einer Frau zugewießen und uns wurde eine Adresse gesagt zu der wir hinfahren sollten um den Probetag zu machen. Wie sich später rausstellte war diese Adresse ganze 35 Meilen von dem Büro entfernt (wir sind beide extra im Auto gefahren) und nach einem Gespräch im Café stellte sich dann heraus, dass man gleich in das nächste Elektrogeschäft gehen werde und an Kunden Telefonverträge verkaufen werde. Auf Kommission, mit Wochenendarbeit und viel Fahrerei.
Ich habs mir trotzdem noch angeschaut, obwohl das garnicht mein Ding ist – und während wir in dem Laden war hat meine Begleitung keinen einzigen Vertrag verkauft… Das zum Thema „Wir sind sehr erfolgreich und haben ein sehr hohes Gehalt“. Auf der Heimfahrt (1 1/2 Stunden) hat mich dann der Chef der Firma angerufen und wollte mich einstellen, ich hab dankend abgelehnt.
Einen Tag später hatte ich ein Déjà vu weil ich mich zu einem zweiten Bewerbungsgespräch in einem Foyer voller Bewerber vorfand, die alle nach zwei Minuten mit Begleitung das Büro verließen. Am Vorabend wollte ich das Gespräch schon absagen, weil ich schon fast vermutet hatte, dass in dieser Firma ähnliche dubiose Verkaufsstrategien angewendet werden, jedoch wurde mir am Telefon mitgeteilt, dass sie keine Kundenaquise machen und nur im Büro sind. Naja dachte ich mir, dann gehst du halt hin. Als ich dann aufgerufen wurde, wurde mir ein Begleiter zugeteilt und auch der Tagesablauf klang ähnlich, jedoch habe ich auch da noch daran gedacht was mir am Vorabend am Telefon gesagt worden ist.
Also gingen wir zum Auto eines Mitarbeiters, der gerade eingearbeitet wird und fuhren zwanzig Minuten in einen Stadtteil Atlantas. An einer Tankstelle hielten wir dann an „Wir zeihen uns mal schnell um“ – zurück kamen sie in Telefonfirmaklamotten – und dann gings weiter. Nur diesmal war ich wirklich schockiert, denn wir fuhren ein Gebiet ab und liefen mehrere, hüglige Straßen hoch und runter und klopften an jeder Tür um einen Telefonvertrag zu verkaufen. Ist das zu glauben? Von wegen „Wir sind nur im Büro“. Ich hatte Business Kleidung und Stöckelschuhe an, denn das sollte ich anziehen, so wurde mir das vorher gesagt. Stöckelschuhe und eine steile Straße passen super zusammen, vor allem wenn es dann noch so richtig schön regnet. Als uns dann auch noch eine ältere Dame in Unterhose die Tür aufmachte dachte ich echt ich bin im falschen Film. Ich hab den Probetag dann nach drei Stunden abgebrochen und mich wieder zurück bringen lassen – das ist nicht meine Welt.
Ich hatte letzte Woche Freitag noch ein tolles Bewerbungsgespräch in einem Starbucks – der Job klang diesmal auch genauso wie ich es mir vorstelle. Allerdings haben sie 70 weitere Personen zum Gespräch eingeladen, deshalb bin ich mir nicht so sicher wie meine Chancen sind.
Also heißt es erstmal weiter Bewerbungen schreiben 🙂
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